Fette Beats in Berlin

Was bringt zwei Frauen über Dreißig dazu, extra einen Tag Urlaub zu nehmen und frühmorgens im Süden der Republik aufzubrechen, um an einem Freitagabend rechtzeitig in Berlin zu sein? Die Antwort besteht aus drei Wörtern: The Glitch Mob. Drei DJs aus L.A., besser gesagt aus New Orleans (Josh „Ooah“), Boston (Ed „edIT“) und L.A. (Jason „Boreta“), die ihre komplexen Tracks mit den mitreißenden Percussions und unglaublich gut gemachten Bässen als ADM, Adventurous Dance Music, bezeichnen. Wer sich ein Bild davon machen will, wie vielseitig diese ist, möge nacheinander die folgenden drei Titel der Combo anhören: „We can make the world stop“, „Fortune Days“ und „Fly by Night Only“.

Der Track, der mich persönlich süchtig gemacht hat, ist „Fortune Days“. Das war so neu, so krass anders, dass ich, die ich klassische Musik quasi mit der Muttermilch aufgesogen und mit den Elektrobeats der frühen Neunziger groß geworden bin, am Anfang gar nicht wusste, was ich damit anfangen sollte. Heute gehört The Glitch Mob zu meinen absoluten Lieblingskünstlern.

Marit, die mich zum Konzert begleitet, hat einen anderen Lieblingstrack und eben dieser eröffnet an diesem Freitagabend das Konzert im Gretchen Club. “Drive it like you stole it”, so der Titel, ist der Inbegriff von Lässigkeit, ist GTA und die Hip Hop-Beats der Neunziger in Einem: Cool, ein bisschen verrucht und absolut unwiderstehlich.

Aber The Glitch Mob sind viel mehr. Was an dieser Combo so viel Spaß macht ist die Verbindung von intelligent gemachten Kompositionen wie „Palace of the Innocents“ oder „Animus Vox“ mit philosophischen Titeln wie „Starve the Ego, Feed the Soul“, viel Bass und archaischen Percussions und Streichern („Warrior Concerto“).

The Glitch Mob, also, haben uns nach Berlin gelockt. Anlass ist die Europatour mit ihrem zweiten Album, das mit dem Titel Love Death Immortality genau den charmanten Größenwahn ausstrahlt, der die Tracks so besonders macht. Love Death Immortality ist anders als Drink the Sea, das herrlich sperrige Debut der Combo, deutlich tanzbarer, aber dennoch und unverkennbar The Glitch Mob. Fette Beats, eingängige Melodien und diese verdammt komplexen Percussions, die nicht nur die drei Jungs während des Konzertes ins Schwitzen bringen. „Sweat Box“, so der sehr passende Kommentar, den Ooah, EdIT und Boreta um drei Uhr Nachts dazu auf Twitter posten werden. Marit und ich gehören zu den Älteren im Publikum. Beim Selfie vor der Bühne sind wir gar auf die Hilfe unseres circa achtzehnjährigen Stehnachbars angewiesen, denn wie ging das nochmal mit dem Foto? Egal! Wir sind genauso aufgedreht wie die Teens und Twens ringsum, grinsen breit vor lauter Vorfreude und als – endlich! – das Intro von „Drive it like you stole it“ ertönt, gibt es kein Halten mehr. Jetzt heißt es Kopf aus, Herz an, mithüpfen und mitsingen. Denn während The Glitch Mob auf Drink the Sea noch weitestgehend auf  Vocals verzichtet haben – die großartige Ausnahme ist die wunderbaren Swan –  strotzt Love Death Immortality vor starken Frauenstimmen. Einer meiner Lieblingstracks ist „I need my memory back (feat. Aja Volkmann)”.

Die verspielte Melodie und Ajas rauchige, trotzige Vocals stehen in krassem Kontrast zu den fiesen Bässen und harten Percussions, bei denen niemand still stehen kann und wir Zwei schon gleich gar nicht. Ein weiteres Highlight unter vielen sind zweifellos die Minuten, in denen die gesamte Halle dauerklatschend immer wieder den Refrain „(Stand still, pause clocks,) We can make the world stop“ brüllt, auch wenn der Rhythmus vor lauter Begeisterung dabei zum Teufel geht. Den absoluten Klassiker ihrer Tracks heben sich The Glitch Mob für die Zugabe auf: mit  „Fortune Days“ haben sie ein Meisterwerk abgeliefert. Der Track beginnt ruhig, die Melodie wirkt beinahe psychedelisch, doch der Schein trügt. Denn ab dem Moment, in dem die Trommeln und Bässe übernehmen … Aber macht euch selbst ein Bild.

Am Ende taumeln Marit und ich mit dem Rest des Publikums hinaus in den Berliner Nieselregen. Abgekämpft, durchgeschwitzt und überglücklich. An Schlafen ist noch lange nicht zu denken. Wie gut, dass wir noch ein ganzes Wochenende Zeit haben, uns zu regenerieren. Die Jungs von The Glitch Mob fliegen schon am nächsten Morgen weiter.

Aktuell sind sie auf Tour und treten in Europa bei verschiedenen Festivals auf. Mehr Infos findet ihr auf ihrer Website unter the glitchmob.com

Und das hier ist derzeit der Track, der mir im Kopf rumgeht, “Head Full of Shadows” von der aktuellen EP Piece of the Indestructible.

Was das auf whatchaa.com zu tun hat? Klarer Fall, auf The Glitch Mob kam ich über das fantastische Fan-Tribute-Video für die Assassin’s Creed-Helden Ezio Auditore und Altair, das hamps19 auf Youtube veröffentlicht hat.


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